Naturnahe Parks, für die Bäume unerlässlich sind, bilden die Grundlage für Erholung und Entspannung – physisch wie psychisch. Der Blick auf das grüne Ufer des Landwehrkanals lädt zu einem Spaziergang ein. Dieser bietet Möglichkeiten zum Austoben, Klettern, Entdecken! Da ein Bewusstsein für unsere Natur am besten dort entsteht, wo es Natur zu entdecken gibt, brauchen wir Bäume dort, wo es viele Häuser und Menschen gibt.

Doch neben diesen subjektiven Argumenten, sind unsere Bäume auch klimatisch unverzichtbar. Sie verarbeiten wenigstens einen Teil der CO²-gesättigten Luft unserer Großstadt. Gerade alte Bäume sind durch ihre große Blattfläche kaum zu ersetzen. Eine hundertjährige Buche, 25 m
hoch, 15 m Kronendurchmesser entfaltet eine Blattfläche von etwa 1.600 Quadratmetern. Sie kann an einem sonnigen Tag 18 Kilogramm Kohlendioxid
verarbeiten. Dieser Baum produziert dabei täglich 13 Kilogramm Sauerstoff und 12 Kilogramm Zucker mit Hilfe der Sonnenenergie und liefert so täglich Sauerstoff für zehn Menschen. Ferner können an sonnigen Tagen bis zu 400 Liter Wasser verdunsten, wodurch sich die Luft im Kronenschatten der Buche um bis zu fünf Grad abkühlt.

All dies zeigt, wie wichtig es ist, gerade alte Bäume so lange wie möglich zu erhalten, und nicht vermeidbare Nachpflanzungen möglichst standortnah zu ermöglichen. Ob als Baumbesetzer oder Baumbesetzerin, Mitglied einer Bürgerinitiative oder als Baumpate bzw. Baumpatin – auch ohne eigenen Garten – jede und jeder kann einen Beitrag für unsere Grünanlagen und Bäumen leisten. So bietet der Bund für Umwelt und Naturschutz Baumpatinnenschaften an. Aber auch die Pflege von Baumscheiben oder das Wässern von Bäumen in Trockenperioden ist ein wichtiger und sinnvoller Beitrag, um das Grün
unserer Kieze zu erhalten. Und nicht zuletzt: Auch wer HundebesitzerInnen und AutofahrerInnen darauf hinweist, Baumscheiben nicht als Toilette oder Parkplatz zu missbrauchen, hilft Bäumen, ihre wichtige Funktion für das Klima zu erfüllen. Jeder Baum ist wichtig!

In Berlin erleben wir jedoch oft das Gegenteil. Die dem Bezirk zugeordneten Natur- und Grünflächenämter haben keine angemessene Ausstattung, um Grünanlagen nachhaltig zu pflegen und auch für Nachpflanzungen fehlt oft das Geld. Immer wieder sollen Bäume aus Gründen der Standsicherheit gefällt
werden. Dabei muss bewertet werden, ob zum Beispiel die Gefahr besteht, dass ein Straßenbaum bei starkem Wind umfallen oder er große Äste verlieren könnte. Die Verantwortung für die MitarbeiterInnen in den Bezirksämtern ist groß und Fehler können lebensgefährliche Resultate bedeuten.

In den letzten Monaten entstand durch verschiedene „Gegen“-Gutachten von Mitgliedern mehrerer Bürgerinitiativen jedoch der Eindruck, dass oftmals keine Fällungen nötig wären! So konnte im Fall der Bäume am Landwehrkanal nachgewiesen werden, dass die von den Bäumen ausgehende Gefahr geringer ist als angenommen. Dieses Engagement der Bürgerinnen und Bürger hat hier einen großen Schaden an Berlins Natur verhindert. Es macht also Sinn, sich für die Erhaltung der Bäume stark zu machen und den Naturschutz nicht allein der Politik zu überlassen. Dabei müssen aber alle Argumente ernsthaft berücksichtigt werden. Auch Baumschützerinnen und Baumschützern ist bewusst, dass es Bäume gibt, von denen eine Gefahr ausgehen kann.

Um dem Vertrauensverlust in die Natur- und Grünflächenämter entgegenzutreten, brauchen wir eine nachhaltige Baumpflege. Sichergestellt durch geschultes Personal und ausreichende finanzielle Mittel. Diese gilt es gemeinsam zu erstreiten!

(Artikel erschienen im Stachel, Januar 2008)

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