Anlässlich des diesjährigen 125. Geburtstages von Otto Nagel am 27. September 2019 hat sich, auf Initiative des Vereins „Freunde Schloss Biesdorf“ die Bürgerinitiative „Initiativkreis Otto Nagel 125“ gegründet. Sie möchte die Erinnerung an den Menschen und Künstler Otto Nagel bewahren. Die Initiative gestaltet dazu zwischen September 2019 und August 2020 ein Programm mit verschiedenen Veranstaltungen und Projekte. Dieses startete heute mit einer Festveranstaltung in der Aula des Otto-Nagel-Gymnasium.

Der Berliner Otto Nagel, am 27. September 1894 geboren und am 12. Juli 1967 verstorben, war ein sozialkritischer Maler, Publizist und Künstler. Vor 125 Jahren, im Berliner Wedding als Sohn eines Tischlers geboren und lebte er bis zuletzt in Biesdorf, in der heute nach ihm benannten Otto-Nagel-Straße.

In Erinnerung an den Künstler trägt auch das Otto-Nagel-Gymnasium in Biesdorf seit 1994 seinen Namen. Die Schule, auf der auch ich selbst 10 Jahre lang bis zu meinem Abitur Schüler war, engagiert sich in zahlreichen Projekten zur Demokratiebildung. Sie versteht sich als Schule, die sich für ein „demokratisches Miteinander, Weltoffenheit und soziales Engagement“ einsetzt. Dafür erhielt sie 2003 den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ sowie 2009 die Auszeichnung Weltfriedensschule verliehen.

Ihr Namensgeber Otto Nagel, gehörte zusammen mit Käthe Kollwitz, Hans Balkuschek und Heinrich Zille zu einem Künstlerkreis, der motivisch und künstlerisch in seinen Werken Sozialkritik übte. Sowohl in seinen Bildern, beeinflusst durch die expressionistische Kunst August Mackes, als auch als späterer Herausgeber und Redaktionsleiter des Eulenspiegels, einer sozialistischen Satirezeitschrift, thematisierte Otto Nagel das Leben und die Belange der Arbeiterklasse.

Durch seine Nähe zum Kommunismus und sein sozialistisch geprägtes Engagement, zählte sein Werk während des Nationalsozialismus zur entarten Kunst; Inhaftierungen und ein Berufsverbot folgten. Nach 1945 setze sich der Künstler als Mitglied des Kulturbundes in der DDR für eine ideologiefreie Kunst ein und warnte im Formalismusstreit vor der Inanspruchnahme der Kunst durch die Politik. Als Anerkennung für seine künstlerischen Leistungen und sein Werk wurde ihm posthum die Ehrenbürgerwürde von Berlin verliehen.

Für mich ist es immer wieder beeindruckend, dass es damals wie heute viele engagierte Menschen gibt, die sich für unsere demokratischen Werte einsetzen und ebenso viele, die diese Menschen als Erinnerung und Vorbilder für uns alle aufrecht erhalten.

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