Unsichtbar, aber gefährlich: die Zunahme von Plastikartikeln nimmt im Alltag zu. Synthetisch hergestellte Chemiekalien mit hormonähnlicher Wirkung sind unter anderem in Pestiziden, Bioziden, Kosmetika, Parfums, Spielzeug, Teppichböden, Kleidung oder Lebensmittelverpackungen zu finden – also quasi überall. Wir haben jeden Tag Kontakt mit hormonell aktiven Umweltkontaminanten, sogenannten Endokrinen Disruptoren (EDC) über die Nahrung, Trinkwasser, Atemluft und durch Berührung. Sie reichern sich im Körper an und können zu Stoffwechselstörungen (Übergewicht, Diabetes), Unfruchtbarkeit, Hormonstörungen, neurologischen Beeinträchtigungen und Krebs führen.

Regulierungsvorschläge der EU-Kommission – Verstoß gegen das Vorsorgerprinzip?

Das Europäische Parlament und die EU Mitgliedsstaaten haben schon 2009 die Zulassung dieser EDCs als Pestizidwirkstoffe und 2012 als Biozidwirkstoffe per Gesetz verboten. Doch ein neuer Vorschlag der EU-Kommission droht das Verbot praktisch wirkungslos werden zu lassen: Die Kommission hat Kriterien zur Identifizierung von EDCs vorgeschlagen, durch die diese Gesetze eigenmächtig verändert und Schutzstandards untergraben werden. Die Hürden für die Einstufung als EDC würden damit so hoch gesetzt, dass nur sehr wenige Stoffe erfasst und verboten werden könnten.

In einem gemeinsamen Aufruf fordern deshalb Oranisationen wie PAN Germany, WECF, BUND, HEJSupport und das Umweltinstitut München die zuständigen deutschen Minister dazu auf, den Vorschlag der Kommission abzulehnen.

  • Die Bundesregierung muss sich im EU-Ministerrat für Kriterien im Sinne des Vorsorgeprinzips aussprechen, die den Schutz von Mensch und Umwelt vor hormonell wirksamen Stoffen sicherstellen und ermöglichen, diese gefährlichen Substanzen aus dem Verkehr zu ziehen.
  • Die Bundesregierung sollte parallel auch nationale Maßnahmen ergreifen und hormonell wirksame Stoffe aus Lebensmittelverpackungen und Babyartikeln verbieten, so wie es andere europäische Länder wie Frankreich oder Dänemark bereits getan haben.

Wie können Menschen und Umwelt wirksam geschützt werden?

Der BUND hat mit dem ToxFox einen Produktcheck entwickelt, der VerbraucherInnen hilft, Kosmetik- und Kinderartikel auf Schadstoffe zu prüfen. Außerdem rät es sich biologisch produzierte Lebensmittel zu bevorzugen, da dort der Einsatz synthetischer Pestizide generell verboten ist. Weitere Tipps zur Vermeidung von Bioziden sind die Verwendung von Seife statt Desinfektionsmittel, das Achten auf Umweltsiegel bei Reinigungsmitteln und das Motto „Naturmaterialien statt Chemie“ beim Möbelkauf oder Hausbau.

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