Die Frage der Perspektive für die weitere Entwicklung des Gebietes der Hellen Promenade stand im Mittelpunkt der Diskussion des BündnisGrünen Kreisverbandes am vergangen Montag im Baukasten am U-Bhf Hellersdorf.

Nachdem die Immobiliengesellschaft Level One im Jahr 2009 nach einer großen Pleite Insolvenz anmeldet, steht die Frage im Raum, wie die Zukunft der sechs von Level One gekauften Wohnblöcke an der Hellersdorfer Promenade aussehen kann. Wo ursprünglich ein prominentes Europaviertel geplant war, stehen die Wohnungen jetzt unter Insolvenzverwaltung. Nach Einschätzung des Quartiersmanagements Hellersdorfer Promenade funktioniert die laufende Pflege der Häuser im Moment zwar verhältnismäßig gut, jedoch stehen dringend notwendige Sanierungsmaßnahmen an, die durch die Insolvenzverwaltung auf Eis gelegt wurden.

Rekommunalisierung, Insolvenzverwaltung oder Genossenschaft?

Andreas Otto, Bau- und Wohnungspolitischer Sprecher, zeigt bei der Diskussionsveranstaltung drei mögliche Perspektiven für die insolventen Wohnungsbestände auf.

Rekommunalisierung: Kann eine Rekommunalisierung der betroffenen Häuser dem Viertel einen Anschub von außen geben? Gibt es eine realistische Chance, die Probleme mit Hilfe des Landes Berlin in Angriff zu nehmen und die überfälligen Sanierungsmaßnahmen möglich zumachen? Der Berliner Senat hat dazu bisher keine Pläne. Auch steht der Bezirk Marzahn-Hellersdorf mit über 27% Wohnungen im Besitz städtischer Wohnungsbaugesellschaften im berlinweiten Vergleich schon jetzt beinahe an der Spitze. Besonders in Hellersdorf gibt es eine Häufung städtischer Wohnungen, wie der Sozialstrukturatlas Berlin zeigt. Dagegen gibt es in anderen Bezirken weniger oder kaum städtische Wohnungen. Eine Rekommunalisierung in Hellersdorf würde das Ungleichgewicht weiter verstärken. Bündnis 90 / Die Grünen werden diese Möglichkeit trotzdem weiter prüfen. Die einfache Forderung nach den Kauf der Wohnungsbestände reicht uns jedoch nicht aus. Insbesondere für die LevelOne-Bestände braucht es Partner jenseits der städtischen Wohnungsbaugesellschaften.

Insolvenzverwaltung: Eine andere Möglichkeit wäre, den Wohnungsbestand an der Hellersdorfer Promenade weiterhin in der Hand des Insolvenzverwalters Rolf Rattunde zu lassen und diesen weit stärker als bisher zur Verantwortung zu ziehen.

Genossenschaftliche Partner: Finden sich engagierte Bewohnerinnen und Bewohner, die sich zusammenschließen, um eine Eigeninitiative zu starten, besteht die Perspektive mit Genossenschaften zusammenzuarbeiten. Dazu ist unumgänglich, dass die Hausgemeinschaft motiviert ist, selber einen Ausweg aus dem Problem zu finden und sich eine Gruppe bildet, die sich als Motor versteht und ihre Wünsche, Ideen und ihr Wissen einbringen. Dies wollen wir von politischer Seite praktisch unterstützen. Besteht das allgemeine Interesse, sich einer größeren Genossenschaft anzuschließen, können die Verhandlungen unterstützt und möglicherweise auch finanzielle Anreize wie eine staatliche Förderung der Einlagen in die Genossenschaften in Form von zum Beispiel zinslosen Darlehen oder ähnlichem gefördert werden. Angesichts der angespannten Berliner Finanzlage sind die Mittel für solche Projekte allerdings hart umkämpft. Auch sehen MieterInnen, die überwiegend auf Hartz IV angewiesen sind, sich in ihrem Alltag noch mit vielen anderen akuten Problemen konfrontiert und haben vermutlich nicht den Ansporn, nebenbei noch in Verhandlungen mit Genossenschaften und der Insolvenzverwaltung zu treten. Eine Unterstützung von außen ist deshalb umso wichtiger. Dies ist ein langwieriger Weg, der etwas Zeit in Anspruch nehmen wird.

Fazit: Wir werden uns mit der Frage weiter beschäftigen. Wir freuen uns über Rückmeldungen und Anregungen insbesondere von (nicht-grünen) Menschen aus dem Quartier. Denn klar ist in jedem Fall. Eine Perspektive entwickelt sich am besten gemeinsam!

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