Das Bezirksamt hat Anfang März den Sozialbericht 2015 Marzahn-Hellersdorf (PDF) vorgelegt. Der Bericht zeigt den Handlungsbedarf. Die Bekämpfung von Kinderarmut muss absolute Priorität bekommen. Denn Kinderarmut ist auch Familienarmut. Am größten ist das Armutsrisiko für Kinder Alleinerziehender, Kinder aus kinderreichen Familien sowie Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern.

Neben einer echten Kindergrundsicherung um materieller Armut entgegen zu treten, muss die Finanzierung von Eltern, Kinder- und Jugendarbeit überarbeitet werden. Es kann nicht sein, dass die „Hilfen zur Erziehung“ jedes Jahr zu einer Haushaltssperre führen, aber für präventive Kinder und Jugendarbeit oder Schulsozialarbeit das Geld fehlt. In der Koalitionsvereinbarung haben wir und daher vorgenommen die Ressourcen gerade in Prognoseräumen mit niedrigem Sozialstatusindex endlich zu bündeln.

Armutsbekämpfung im Sozialraum: Die Koalition wird eine ressortübergreifende Strategie zur Bekämpfung von Armut und zur Verbesserung gesellschaftlicher Teilhabe mit konkreten Maßnahmen auf den Weg bringen. Voraussetzung hierfür ist eine integrierte Armuts- und Sozialberichterstattung. […] Aktive Nachbarschaften, lebendige Kieze und stabile Sozialstrukturen sind eine Voraussetzung für Demokratie und Teilhabe. Die Koalition steht deshalb für den örtlich ausgewogenen Ausbau von Stadtteilzentren sowie deren inklusive und kultursensible Weiterentwicklung. In einem ersten Schritt erfolgt eine Bestandsaufnahme der sozialräumlichen Angebote in Berlin. In Prognoseräumen mit niedrigem Sozialstatusindex wird mit Stadtteilmanager*innen die fach- und ressortübergreifende Arbeit unter Bündelung der Ressourcen des Landes, der Bezirke, der Jobcenter sowie der sozialen Infrastruktur gestärkt. Die Koalition stärkt hierfür die zentrale Koordinierung der Sozialraumorientierung. (S. 89/90)

Einige zentrale Zahlen aus dem Sozialbericht 2015:

  • 39 % aller Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahre wachsen in Familien auf, die Hartz IV beziehen. Bei den unter 6- Jährigen ist der Anteil mit 41 % etwas höher, was der vierthöchste Wert aller Bezirke ist.
  • Ende 2015 lebten fast 14.500 Arbeitslose in Marzahn-Hellersdorf. Das sind rund 1.300 weniger als im Vorjahr.
  • 48.504 Personen in Marzahn-Hellersdorf lebten 2015 von Hartz IV. Gegenüber 2014 sank die Zahl der SGB II-Leistungsberechtigten um fast 1.500 Personen.
  • Fast drei Viertel der Hartz IV-Leistungsberechtigten sind im Langzeitbezug, d.h. sie haben in den letzten 24 Monaten mindestens 21 Monate Arbeitslosengeld II bezogen.
  • Die Zahl von Kindern und Jugendlichen im SGB II-Bezug ist leicht gestiegen. In 38 % der 25.300 SGB II-Haushalte leben minderjährige Kinder.
  • Sehr differenziert stellt sich die soziale Situation zwischen den einzelnen Planungsräumen dar. Die höchste SGB II-Quote gibt es mit 47 % in der  Alten Hellersdorf Straße, gefolgt von der Hellersdorfer Promenade mit 45 % und dem Boulevard Kastanienallee (42 %).
  • In der Hellen Mitte hat sich die positive Entwicklungstendenz der vergangenen Jahre fortgesetzt.
  • Weitere Planungsräume mit deutlich positiver Entwicklungstendenz in der Großsiedlung sind – wie schon im Vorjahr – die Planungsräume Marzahn-West, Wuhletalstraße, Springpfuhl, Kaulsdorf-Nord I sowie Marzahn-Ost, Havemannstraße und Kaulsdorf-Nord II.


Hintergrund: Der Bericht bezieht sich auf Daten aus dem Jahr 2015. Er informiert über wesentliche Faktoren zur Bestimmung der sozialen Lage der Bevölkerung, wie Bildung, Wohnsituation, Einkommen und Erwerbstätigkeit, Arbeitslosigkeit, Hartz IV-Bezug, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung sowie Wohnungslosigkeit und Hilfen in besonderen Lebenslagen.