Das Projekt Jule unterstützt junge Mütter oder Väter, im Alter zwischen 18 und 27 Jahren, und ihre Kinder. Das Modellprojekt wurde von der Wohnungsbaugesellschaft degewo in Marzahn-Hellersdorf ins Leben gerufen. Gestartet wurde es Anfang 2012 in Kooperation mit dem Jobcenter, dem Marzahn-Hellersdorfer-Wirtschaftskreis und dem KINDERRING BERLIN e.V.

Armut und Kinderarmut sind nach wie vor großes ein Problem, auch in unserem Bezirk. Marzahn-Nord hält sich zwar relativ stabil. In Hellersdorf hingegen verschlechtert sich die Situation leider weiter. Der letzte Sozialbericht zu Marzahn-Hellersdorf von 2014 macht deutlich, dass weiter Handlungsbedarf besteht. So steigt in der Großsiedlung Hellersdorf die Zahl der SGB II-Empfänger_innen weiter. Und trotz positiver Entwicklungstrends sind auch in der Großsiedlung Marzahn weitere Anstrengungen erforderlich. Dort leben noch immer 61% der unter 15-Jährigen in Familien mit Hartz IV-Bezug.

Um dem etwas entgegenzusetzen, müssen erfolgreiche Projekte wie Jule beständig unterstützt und ausgebaut werden. Die bündnisgrüne Fraktion hat dazu einen Antrag in die Bezirksverordnetenversammlung eingebracht.

Die Projekt hat vor allem die berufliche Zukunft der Eltern im Blick. Der Fokus liegt auf den Eltern und es geht nicht in erster Linie um Hilfen zur Erziehung. Jule unterstützt sie dabei einen Schul- oder Berufsschulabschluss nachzuholen und beim Eintritt ins Berufsleben. Außerdem wird eine Wohnung gestellt und die Kinderbetreuung gesichert. Der KINDERRING BERLIN e.V. ist mit der pädagogischen Betreuung und Begleitung betraut und betreibt den Gemeinschaftstreffpunkt. Neben der Hilfe und Begleitung zu Schul- und Berufsabschlüssen bietet Jule individuelles Coaching und Tipps zu Alltagsfragen, Behördenchaos sowie Erziehungs- und Gesundheitsförderung. Es handelt sich also um ein umfassendes Paket für junge Mütter oder Väter, die Unterstützung in ihrer neuen Rolle und Lebenssituation brauchen. Seit Beginn des Projektes gab es ca. 200 Interessent*innen und ca. 70 Bewerbungen. 26 Alleinerziehende haben in den letzten fünf Jahren am Projekt teilgenommen. Viele von ihnen haben einen Berufsabschluss nachgeholt oder beendet und sind zum Teil auch übernommen worden. Eine Evaluation des Projekts durch die degewo hat ergeben, dass ein Platz bei Jule auf lange Sicht 47.000 Euro günstiger ist, als ein Platz in der Jugendhilfe.

Für das herausragende Projekt erhielt die degewo den „Preis Soziale Stadt 2012“. Der Wettbewerb wird alle zwei Jahre als Gemeinschaftsinitiative von Akteur*innen der Zivilgesellschaft, Wohnungswirtschaft, Wohlfahrt, Wissenschaft und Politik ausgelobt und ehrt Projekte, „die im Sinne des ganzheitlichen Ansatzes der sozialen Stadt aktiv sind“.1 Bezirksbürgermeister Stefan Komoß sagte als Reaktion auf die Verleihung des Preises an Jule: „Ich freue mich über die Anerkennung des vorbildlichen Projekts, die sich in der Preisverleihung ausdrückt und würde mich freuen, wenn das Angebot im Bezirk und darüber hinaus ausgeweitet werden könnte.”

Diese Äußerung liegt einige Jahre zurück; Projekte wie Jule und ihre Unterstützung und Wertschätzung durch die Politik sind aber nach wie vor dringend nötig. Kaum irgendwo in Deutschland gibt es so viele arme Menschen wie in Berlin. Vor allem die Kinderarmut ist hier so hoch wie in keinem anderen Bundesland. Gut ein Drittel der in Berlin lebenden Kinder sind laut Statistik von Armut betroffen – besonders dann, wenn sie nur mit einem Elternteil zusammenleben, da dieser dann oft nur einer prekären Beschäftigung nachgehen kann. Die Unterstützung von Eltern und gerade von Alleinerziehenden ist also ein wesentlicher Schritt bei der Bekämpfung von Kinderarmut.

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