Am 6. Juli 2016 besuchte ich mit Bettina Jarasch und Karlheinz Wolf mehrere soziale Projekte und Einrichtungen in Marzahn NordWest, um uns über deren Arbeit zu informieren und in einen Austausch zu treten.

Der Zeitplan war sehr eng getaktet, um an einem Tag möglichst viele Projekte besuchen zu können.  Von Besuch zu Besuch ging es mit Hilfe des ÖPNV oder auch viel zu Fuß durch den Bezirk.

Der erste Besuch führte in die Golliner Straße zu Jule, einem Projekt zur Unterstützung junger Alleinerziehender. Jule wurde von der degewo ins Leben gerufen. Bei Jule bekommen junge Alleinerziehende subventionierte Wohnungen zur Verfügung gestellt. Die Wohnungen befinden sich alle im gleichen Haus und im Erdgeschoss gibt es einen großen Bereich, der gemeinschaftlich genutzt werden kann. Die Sozialarbeiter*innen Frau Bikádi und Frau Egel beraten und unterstützen die jungen Eltern in allen Lebenslagen. Ziel von Jule ist es, die jungen Eltern zu einem Schul- und/oder Berufsabschluss zu führen. Es soll ihnen ermöglicht werden, dauerhaft ohne Transferleistungen leben zu können. Dies ist in den meisten Fällen erfolgreich. In Zukunft soll das Projekt zusammen mit dem Bezirksamt weitergeführt werden. Es ist zu hoffen, dass der einzigartige Charakter von Jule – der das Projekt so erfolgreich macht – auch dann bestehen bleibt.

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Nach einer kurzen Mittagspause ging es weiter zu einem RoMa-Projekt der AWO. Zu diesem Besuch stieß noch Susanna Kahlefeld dazu, die Sprecherin für Partizipation und Gleichbehandlung von Migrant*innen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus. Das Projekt gibt es seit 2013. Der Projektleiter Herr Dr. Weise berichtete, dass etwa 3.000 Roma im Bezirk leben würden und die Community wachse. Ziel des Projektes ist es einerseits Roma-Familien bei ihrer Integration zu unterstützen. Man wolle ihnen Raum geben sich auf die Integration vorzubereiten und vor allem Kenntnisse über den Stellenwert von Bildung und das Bildungssystem hierzulande vermitteln. Er kritisierte, dass Roma selbst bei vielen anderen Projekten nicht beteiligt würden – etwa beim Aktionsplan des Senats. Andererseits leistet das Projekt aber auch Antirassismusarbeit und versucht Vorurteile bei der Mehrheitsgesellschaft abzubauen. Es wurde deutlich, dass vorurteilsbewusste Bildung und Hilfen bei der Integration heute wichtiger denn je sind, wenn wir in einer Gesellschaft leben wollen, in der alle Menschen die gleichen Rechte und Chancen haben.

Im Anschluss an diesen interessanten Besuch ging es weiter zu LAIB und SEELE, einem Projekt, dass Lebensmittel an Bedürftige ausgibt. Hier standen die Projektverantwortlichen Herr Bielefeldt und Herr Täuber zum Gespräch zur Verfügung. Das Projekt teilt sich die Räume mit der Missionsgemeinde Berlin-Marzahn SELK. Aus der Gemeinde arbeiten auch einige Glieder im Projekt. Die meisten der 56 Ehrenamtlichen kommen allerdings von außerhalb der Gemeinde. Die Lebensmittelausgabe erfolgt immer Montags und Mittwochs. Das Projekt holt die Lebensmittel selbst ab und übernimmt auch die Entsorgung der nicht ausgebbaren Lebensmittel. Ein nicht zu unterschätzender logistischer Aufwand. Hier ist wirklich ein beeindruckendes Projekt entstanden, weil sich einige Leute zusammengetan, einfach gemacht und zahlreiche Schwierigkeiten gemeinsam überwunden haben. Besonders schön zu hören war, dass das Projekt nicht nur eine Lebensmittelausgabestelle ist, sondern auch ein Ort des Beisammenseins – sowohl für die Ehrenamtlichen, als auch für viele derjenigen, die sich dort Lebensmittel holen. Leider hat LAIB und SEELE Probleme mit den Räumlichkeiten. Durch den baldig geplanten Einzug einer Kita, wird der Platz nicht mehr reichen. Es wurde deshalb vereinbart, dass die bündnisgrüne BVV-Fraktion sich dafür einsetzt, dass das Projekt geeignete Alternativräume anmieten kann. Hier wurde der erste Schritt bereits mit einer Anfrage getätigt.

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Der letzte Besuch führte zur Ev. Kirchengemeinde Kaulsdorf, wo ein Gespräch mit dem GRK-Vorsitzenden Herrn Schröder stattfand. Er erzählte, dass die Gemeinde Kraft und Ressourcen habe, um etwas zu bewegen. Dies zeigt die Gemeinde etwa bei der Unterstützung Geflüchteter. Seit März 2015 haben bis zu 76 geflüchtete Menschen im Parkhotel Berlin Schloss Kaulsdorf mittels Unterbringungsschein des LaGeSo eine vorübergehende Bleibe gefunden. Die Zustände in der Unterkunft sind sehr problematisch. Immer wieder sollen Einzelpersonen oder die ganze Unterkunft geräumt werden. WLAN und Küchen dürfen nicht genutzt werden, Ehrenamtliche haben kaum Zutritt und es mangelt an Hilfs- und Beratungsangeboten. Hier springt die Gemeinde gemeinsam mit anderen Akteuren vor Ort ein, beteiligt sich am Runden Tisch Kaulsdorf und organisiert Deutschkurse, gemeinsame Kochabende oder Nachbarschaftsfeste. Das Ziel dabei ist eine kontinuierliche Willkommensstruktur zu schaffen, mit Angeboten, die von Gemeindegliedern leist- und verstetigbar sind.

Zusammenfassend möchten wir uns bei all den Menschen, die wir an diesem Tag kennenlernen durften, für den freundlichen Empfang, die interessanten Gespräche und vor allem ihre gute und wichtige Arbeit bedanken. Wir haben viel gesehen und gelernt und werden weiterhin dafür eintreten, dass die Bedingungen für solche Projekte in Marzahn-Hellersdorf besser werden.

Bettina Jarasch ist Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Berlin und Teil des Spitzenteams für die Abgeordnetenhauswahl. Karlheinz Wolf ist Direktkandidat für Marzahn NordWest sowie Ahrensfelde Süd.

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