Sie putzen Fenster, gestalten Wandbilder für die Fassade eines Jugendhauses oder führen Hunde spazieren. In über 200 verschiedenen „Blitzjobs“ sollen Jugendliche sich ausprobieren können und in unterschiedliche Arbeitsbereiche hineinschnuppern.

Erarbeitet wurde das Konzept „TeenKom – Blitzjobs für Teenager“ von dem Verein für Chancengleichheit und ArbeitsweltIntegration Jugendlicher (caiju e.V.). Per Traasdahl, der das Projekt ins Leben gerufen hat, erzählt am 14. Februar 2011 im Stadtteilzentrum Mosaik bei einer bündnisgrünen Diskussionsrunde zu den Perspektiven von Jugendlichen beim Übergang von der Schule zum Berufsleben, wie es dazu kam. Seine Erfahrungen aus der Kunst und der Arbeit mir traumatisierten jungen Flüchtlingen zeigten ihm, wie schwer es ist irgendwo „anzukommen“, wenn das eigene Können und die eigenen Fähigkeiten nicht weitergegeben werden können. Mit klaren Vereinbarungen und mikroökonomischen Anreizen (kleinen Geldbeträgen) soll dafür eine faire Grundlage für das „Geben und Nehmen“ aufgestellt werden.

Dieser Grundgedanke wurde auf das Problem vieler Jugendlichen in Berlin übertragen, die sich in einer weitgehend perspektivlosen Situation befinden und durch die ausgeführten Tätigkeiten neues Selbstwertgefühl erlangen sollen. Das Prinzip ist simpel: Jugendliche zeigen Interesse an einem Blitzjob und in einer Datenbank wird festgehalten, wo ihre besonderen Fähigkeiten liegen und wieviel Zeit sie aufbringen wollen. Dieses Netzwerk aus Jugendlichen (bis 19 Jahre) trifft auf ein Netzwerk aus Privathaushalten, Firmen oder Institutionen aus der Kulturwirtschaft, die für unterschiedliche einfache Tätigkeiten für einen kurzen Zeitraum Arbeitskräfte suchen. Koordiniert werden diese beiden Gruppen von caiju e.V., mit dem die BlitzjobberInnen einen Dienstvertrag abschließen.

Viele, die von dem Projekt erfahren, fühlen sich angesprochen und möchten es ausprobieren. Erreicht werden die Jugendlichen über zufällige Kontakte unterwegs oder gezielt über Jugendzentren wie das EastGate. Bewusst geht das Team von caiju e.V. nicht an Schulen, um auch diejenigen zu erreichen, die schon lange nicht mehr oder nur noch sehr unregelmäßig in den Unterricht kommen. Ein Drittel von ihnen ist stark gefährdet (z. B. haben sie die Schule abgebrochen oder hatten möglicherweise schon mehrfach Stress mit der Polizei), ein weiteres Drittel hat schlechte Jobaussichten und die übrigen „haben es eigentlich nicht nötig“ so Traasdhal. So entsteht eine Durchmischung sozialer Gruppen. In den Blitzjobs stehen die TeilnehmerInnen vor neuen Herausforderungen – sowohl was Zuverlässigkeit und Durchhaltevermögen, als auch was den Umgang mit den unterschiedlichsten Menschen angeht. Per Traasdhal erzählt:

„Bei einem Auftrag sagen sie nichts dagegen, sie kämpfen sich durch.“

Wichtig ist ihm, dass die Teenager ein Gefühl ihrer eigenen Nützlichkeit entwickeln können und wissen, dass sie für etwas gebraucht werden. Dabei lernen sie auch, sich selbst zu organisieren und machen die Erfahrung, ihr eigenes Können zu zeigen und dem Kollektiv etwas zurückgeben zu können.

Zudem wird mit dem Konzept ein integrativer Ansatz verfolgt, da verschiedene Bevölkerungsgruppen, die bisher wenig miteinander zu tun hatten, in Kontakt kommen und sich im Rahmen einer klar geregelten Zweckbeziehung näher kennenlernen können. Julia und Ahmed nennen sich vielleicht „Mary Poppins“ oder „Jimi Hendrix“, wenn sie zum Babysitten kommen; dadurch wird ihre Anonymität gewahrt. Vorurteile können so abgebaut werden.

Auch eine zunehmende Identifizierung der Jugendlichen mit ihrem Kiez und ein umsichtigerer Umgang mit ihrer Umgang lässt sich beobachten: Wer gerade erst die Scheiben der Bäckerei auf Hochglanz gebracht hat, möchte nicht, dass diese morgen eingeworfen wird.

Gleichzeitig muss darauf geachtet werden, dass die Blitzjobs bloße Nischentätigkeiten sein können und keine regulären Arbeitsplätze ersetzen sollen. Deshalb wird bewusst Wert auf eine Distanzierung vom „normalen“ Job-Begriff gelegt.

Auch die Gefahr, dass Firmen auf diesem Wege allein an billige Arbeitskräfte kommen wollen, soll so umgangen werden. Sowohl die BlitzjoberInnen als auch die ArbeitgeberInnen nehmen nach Abschluss des Auftrags an einer gegenseitigen Auswertung teil, wo unter anderem evaluiert werden soll, ob die Anleitung zufriedenstellend war und wieviel die Jugendlichen aus der Aufgabe mitnehmen konnten. Dem Coaching und der Vor- und Nachbereitung zum Beispiel in Form von Seminaren misst der Verein eine grundlegende Bedeutung bei.

Traasdahls Traum ist es, dass das Projekt irgendwann auch in Skandinavien, wo er seine Wurzeln hat, anlaufen kann. Doch irgendwann soll das ganze auch hier von alleine funktionieren:

Caiju e.V. tut sein Bestes, um sich überflüssig zu machen.“

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