Am Samstag hatte ich Gelegenheit an der Summer Factory des Instituts Solidarische Moderne in Frankfurt am Main teilzunehmen. Sehr inspirierend waren für mich die beiden Workshops denen ich beiwohnte.

Zum einen „Bildung, Freiheit und Demokratie„. Diskutiert wurde dabei über die Entwicklung Bildung die immer betriebswirtschaftlicher gestaltet wird oder den Versuch selbst kleinste Lernschritte durch Tests und Klausuren zu kontrollieren. Auch die Frage von Teilhabechancen, der Zertifizierung und des Lernzwecks waren Gegenstand der Debatte. Die Debatte lebte von dem Ziel „Bildung“ wieder mehr „Freiheit“ zu lassen und allen zu ermöglichen. Ich persönlich kann die beschriebene Entwicklung gut nachvollziehen. Genau wie beim „unüberwachten Lernen“ – einen Forschungsgebiet des maschinellen Lernes, welches ursprünglich den menschlichen Lernprozess zum Vorbid hat – ist nicht jeder Lernprozess in genaue und kleinteilige Schritte abzubilden. Ein gutes Beispiel ist hierfür sicher der Prozess des Erlernens von Sprache. Hier spielt die Reihenfolge der Worte u.a. keine Rolle – einzig das Ergebniss ist wichtig. Davon ist im heutigen BA / MA – System kaum etwas zu spüren. Kritisch wurde die Frage der durch Bildung manifestierter Einkommensunterschiede angesprochen.

In meinem zweiten Workshop „Gerechte Studienfinanzierung und der Weg dorthin„, moderiert von Wolfgang Strengmann-Kuhn, war ich als Referent eingeladen und brachte das Konzept des Bildungsgeldes ein. Als weitere ReferentInnen nahmen Prof. Dr. Gerd Grözinger (Universität Flensburg) und Juliane Knörr (fzs) teil. Nach einer anfänglichen Vorstellung der vorberreiteten Dossies (1 | 2) diskutierten wir intensiv die Frage einer AkademikerInnensteuer. Einen „Konsens“ konnten wir dabei nicht finden. Übereinstimmung gab es aber an dem Punkt, dass die Ausgestaltung einer solchen Steuer keine Hürde hinsichtlich der Entscheidung für ein Studium darstellen soll. In der vorgeschlagen Variante soll eine Besteuerung auch erst bei Einkommen über den durchschnittseinkommen von NichtakademikerInnen beginnen.

Weiter diskutierten wir die mögliche Umsetzung einer „zukünftigen Studienfinanzierung“. Ziel war einhellig eine emanzipatorische Gestaltung, wobei insbesondere die Frage der Elternunabhängigkeit eine zentrale Rolle spielt. Daneben sollten die BildungsVerhinderungsRegeln von HartzIV etc abgeschafft werden. Der Workshop einigte sich dann auf 3 Kernsätze, die dem gerecht werden sollen:

„Lernende ernst nehmen – ein Leben lang! Bafög und HartzIV zu einer allgemeinen und emanzipatorischen Grundsicherung weiterentwickeln. Der durch Eltern, Alters- und Herkunftsunahhängigkeit entstehde höhere Bedarf soll durch verteilungsintensive Steuern gedeckt werden.“

Ich finde insbesondere die Einbeziehung von Bildung in das Grundsicherungssystem ein wichtiges Anliegen. Zu Oft haben zum Beispiel die Jobcenter nicht die Möglichkeit Betroffenen in ihren Chancen zu fördern. Denn beispielsweise für Menschen unter 25 Jahre kann keine Maßnahme Bildungsangebote ersetzen. Aber auch in späteren Lebensphasen brauchen Menschen die Möglichkeit sich durch ein zweites Studium oder ähnliches neue Lebenschancen zu entwickeln. Dazu kann die (Grund-)Sicherung die Teilhabe in dieser Lebensphase – unabhängig von der gewählten „Bildungsart“ – für alle Menschen sicherstellen.

Am Ende der Summer Factory soll es ein Abschlussdokument geben. Ich bin auf die Ergebnisse der anderen Workshops sehr gespannt. Mein Fazit: Viel gelernt – eine andere Welt ist möglich!